Die biospeläologischen Aufsammlungen in der Bärentalhöhle (2012-2014) (aus dem Karstreport 2017)
Petra Boldt
Einleitung
Im Jahr 2012 haben wir nach bereits 2 jähriger biologischer Untersuchung der Fauna in der Vetterhöhle mit der Untersuchung der Fauna in der Bärentalhöhle begonnen.
Wir wollten die Fauna beider Höhlen vergleichen, um möglicherweise Parallelen zu finden.
Die Ergebnisse der Untersuchungen in der Vetterhöhle wurden bereits im Karstreport 2014 / 2015 veröffentlicht.
Die Bärentalhöhle ist, im Gegensatz zu der Vetterhöhle, eine sehr trockene Höhle, es gibt kaum eine Spalte in der Höhlendecke, durch die Tropfwasser eindringt. Deshalb ist die Höhle in großen Teilen ohne Tropfstein- bzw. Sinterschmuck. Ausnahme ist die Tropfsteinhalle, in der sich an Klüften Sinter und Tropfsteine gebildet haben, die meisten davon aber bereits wieder in Auflösung begriffen und die Exentriqueskammer, in der an einem schmalen Riss entlang Excentiques zu sehen sind. Besonders im Winter wird durch den kalten, trockenen in die Höhle ziehenden Luftzug, der Bereich bis zur Tropfsteinhalle staubtrocken. Von der Tropfsteinhalle bis zur Aorta, dem Zustieg in die Oase, ist der Lehm ein wenig feuchter. In der Oase haben wir eine völlig andere Situation. Dort dringt reichlich Wasser in Form von Tropfstellen an der Höhlendecke ein. Wir finden dort das ganze Jahr über Pfützen und eine kleine Versickerungsstelle vor.
Der Untersuchungsbereich begann für uns beim Tor, ca. 30m in der Höhle.
Im Rahmen des FFH-Monitoring für die LUBW (Landesamt für Umwelt in Baden-Württemberg) von Hannes Köble und einigen Aufsammlungen bei den Internationalen Jugendausbildungslagern fanden aber auch 6 Aufsammlungen vor dem Tor statt.

Material und Methoden
Von Oktober 2012 bis August 2013 wurden im Rahmen einer monatlich durchgeführten Begehung 7 Fallen mit Ethylenglykol an bestimmten Stellen der Höhle aufgestellt bzw. entleert.
Ab September 2013 bis November 2014 wurden diese 7 Fallen mit 99,9 prozentigem Äthanol gefüllt. Die Umstellung des Alkohols war nötig, da die Tiere für das GBoL Projekt (German Barcode of Life) zur Verfügung gestellt wurden. Zu diesem Thema gibt es einen Beitrag im Karstreport 2014 / 2015 von Dr. Alexander M. Weigand, Ruhruniversität Bochum.
Zusätzlich fand auch Handfang im Bereich der Fallen statt.
In der Oase sind im Plan zwei Fallenstandorte eingezeichnet.(Abb.1) Wir veränderten den Standort der Falle dort schon nach kurzer Zeit, da das Gefäß im linken Teil der Halle immer wieder umkippte.
Das Bestimmen der Tiere erfolgte unter dem Binokular.
Diese monatlichen Aufsammlungen wurden sowohl in einem Laborjournal, als auch in einer Datenbank festgehalten.
Für die biologischen Aufsammlungen in der Bärentalhöhle inklusive der Genehmigung für die Winterbefahrungen war eine Ausnahmegenehmigung vom Regierungspräsidium Tübingen erforderlich.
Ergebnisse:
Artenspektrum
Im Verlauf der zweijährigen Beprobung konnten von uns 35 Spezies in der Bärentalhöhle nachgewiesen werden. Sämtliche bislang in der Bärentalhöhle gefundenen Arten sind in der folgenden Tabelle eingetragen:

Der größte Teil des Artenspektrums wurde in den Fallen in den trockneren Höhlenteilen nachgewiesen.
Die Buckelfliege (Phoridae Gen. spec )kam allerdings auch in der feuchten Oase, wie auch in den anderen Höhlenteilen hinter dem Tor am häufigsten vor.
Hinzu kommen noch einige weitere Arten von Fliegen, die wir nicht näher bestimmen konnten.
Diskussion
Für uns war es sehr überraschend, wie groß das Artenspektrum in dieser sehr trockenen Höhle ist. Vor allem überraschte, dass es in der sehr feuchten Oase erheblich weniger Tiere, sowohl Arten, wie auch Stückzahlen gab, als in den trockenen Teilen der Höhle. Die Frage, inwiefern die Fangzahlen mit den tatsächlich vorhandenen Populationsgrößen korrelieren ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Möglicherweise zeigen Tiere, die an trockeneren Standorten leben, eine größere Tendenz auf der Suche nach Wasser und Nahrung sich in die Falle locken zu lassen. Andererseits bestätigen Handfänge tatsächlich eine relativ große Artenvielfalt und größere Populationsdichten in den trockenen Höhlenteilen.
In der Exentiqueskammer machten wir eine spannende Beobachtung. Zu Beginn der Untersuchungen kamen immer einige Blindspringer (Onychiuridae Gen. spec.), sowohl in der Falle wie auch beim Handfang vor. Im Laufe der Zeit vermehrten sich diese Tiere sehr stark, vermutlich wurden auch durch den angenehmen Geruch des Ethylenglykols weitere Tiere angelockt. Dann tauchte plötzlich ein Doppelschwanz (Diplura – Plusiocampa dobati) auf, später ein weiterer. Die Stückzahlen des Doppelschwanzes wuchsen, gleichzeitig nahmen die Blindspringer ab, bis es keine Blindspringer mehr gab.
2017, also 3 Jahre nach dem Untersuchungszeitraum, beobachteten wir wieder Blindspringer in der Excentriqueskammer, aber keinen Doppelschwanz mehr. Diese Beobachtungen legen nahe, dass die Populationsdichte vieler Arten räumlich und zeitlich großen Schwankungen unterworfen ist.
Eine Abhängigkeit der Populationsgrößen zu den Jahreszeiten war nicht feststellbar, genauso wenig irgendwelche Zyklen, wie wir es bei der Buckelfliege in der Vetterhöhle festgestellt hatten. Das war in diesem kurzen Untersuchungszeitraum von 2 Jahren aber auch noch nicht zu erwarten.
Kritische Nachbetrachtung:
Eine gleichzeitige Beprobung einer zweiten Höhle über einen Zeitraum von zwei Jahren stellte für uns - trotz einiger Jahre Vorerfahrung im Bereich der Höhlenbiologie – eine große Herausforderung personeller und zeitlicher Art dar.
Deshalb wurden die Aufsammlungen zum April 2014 eingestellt, um Zeit für den neuen Zugang für die Vetterhöhle zu gewinnen. Das war notwendig, da der Entdeckerschacht mit Holz ausgebaut ist, welches im Lauf der Jahre an Stabilität verlor.
Es wäre sehr interessant die biologischen Aufsammlungen in der Bärentalhöhle noch einmal für einen längeren Zeitraum aufzunehmen.
Danksagungen
Ich möchten mich bei allen Mitarbeitern des Projektes, sei es bei der Aufsammlung in der Höhle, oder dem Bestimmen der Tiere ganz herzlich bedanken.
Besonders bei Reinhard Koch, der mich bei der Auswertung der Daten und Erstellung dieses Artikels unterstützt hat.
Aufsammlung:
Holger Döhmann, Arndt Karger, Hannes Köble, Marc Krömer, Laura Niedermeier, Axel Nothardt, Butrint Pacolli, Otto Schwabe, Klaus Sontheimer und Udo Wohlketzetter .
Bestimmung:
Arndt Karger, Hannes Köble, Alberto Sendra, Universität Alcalá, Madrid, Spanien.
Begleitung bei den Wintertouren nach Auflage des Regierungspräsidiums Tübingen: Hans Martin Luz
Literatur
[1] Koch,Reinhard: Die Kleintierwelt der Vetterhöhle. Speläo-Südwest 2010, Höhlenkundliche Veröffentlichung des Höhlenvereins Blaubeuren e.V., Heft 2.,S. 11 – 15
[2] Boldt, Petra: Leben in einer lebensfeindlichen Welt – über die „Artenvielfalt“ in den Höhlen. Karstreport 2012, Höhlenkundliche Veröffentlichungen des Höhlenvereins Blaubeuren e.V., Heft 4, S. 56 – 73
[3] Boldt, Petra; Boldt, Markus; Koch, Reinhard: Die biospeläologischen Aufsammlungen in der Vetterhöhle (2010 – 2013) Karstreport 2014/2015, Höhlenkundliche Veröffentlichungen des Höhlenvereins Blaubeuren e.V., Heft 7, S. 103 – 116
[3] Dobat, Klaus: Die Höhlenfauna der Schwäbischen Alb. Abhandlung zur Karst- und Höhlenkunde, Verband der deutschen Höhlen und Karstforscher e.V. Reihe D Heft 2, 1975
[4] Müller, H. J. : Bestimmung Wirbelloser Tiere im Gelände. Gustav Fischer Verlag 1986
[5] Weber, Dieter: Die Höhlenfauna Luxemburgs. Travaux scientifiques du Museé national d’histoire naturelle Luxembourg, 2013
[6] Weber, Dieter: Die Höhlenfauna und –flora des Höhlenkatastergebietes Rheinland-Pfalz / Saarland. Abhandlung zur Karst- und Höhlenkunde Nr.36, Verband der deutschen Höhlen und Karstforscher e.V. 2012, CD
[7] Fischer, Christian: Die Vetterhöhle – ein Lebensraum ohne Licht; in: Die Vetterhöhle – Forschungsbericht aus dem Blauhöhlensystem (2007). Grabenstetter Höhlenkundliche Hefte, Nr. 12 ISSN 1437-9805; S. 51-52